Belsazar - Presse/Medien

Radio

Radio Flora sendete aus Anlass der Aufführung des "Belsazar" zum 100jährigen Kirchenjubiläum einen Beitrag.

"Belsazar - eine biblische Oper in der Kirche zu Hannover-Herrenhausen"
Radiobeitrag (mp3-Datei, 3:38 min, 3,4 MB)
Manuskript (PDF-Datei, 71KB)

Wir danken Jo Schrader und dem o-ton-team - Journalistenbüro herzlich für die Überlassung des Materials.
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Presse

Hannoversche Allgemeine Zeitung
6.11.2006

Osterhase beim Krippenspiel
Christoph Amrhein und Martin Ehlbeck setzen Händels Oper "Belsazar" szenisch um

Der Bischof von London verbot Händel 1731, sein erstes Oratorium "Esther", szenisch aufzuführen - die Uraufführung fand dann in einem Gasthaus statt. Zum 100. Geburtstag der Herrenhäuser Kirche ging man nun den umgekehrten Weg und spielte Händels "Belsazar" im Altarraum, der kaum ausreichte, um die gut achtzig Protagonisten alle auf der kleinen Bühne unterzubringen. Regisseur Christoph Amrhein hatte jedoch geschickt eine Szene geschaffen, die nicht nur harmonisch den Kirchenraum mit einbezog, sondern auch Umbauten vermied.

Abwechslungsreich pendelte das szenische Geschehen zwischen großer Oper und Krippenspiel hin und her und fesselte die Zuschauer bis zum Schluss an die Geschichte des babylonischen Königs Belsazar, der nach der  Menetekel-Ankündigung für seine Freveltaten am Volk Israel sein Leben lassen muss. Dass dieser Monarch hier im hautengen goldenen Bodysuit mit rotem Umhang wie eine Mischung aus Lindt-Osterhase und Bacchus aussah, fand nicht zuletzt in Händels Musik Unterstützung, die den Herrscher vor allem die Vorzüge des Weins in seinen Arien preisen und ihn ansonsten als eher schlichtes Gemüt erscheinen lässt. Umso prägnanter lenkte Amrhein den Blick des Publikums auf die anderen Charaktere.

Dirigent Martin Ehlbeck koordinierte mit klarer Zeichengebung das Geschehen auf der Bühne und im Orchester. Dabei unterstützte ihn die aufspielende Hannoversche Hofkapelle genauso wie seine Kantorei Herrenhausen, die über sich hinauswuchs, mitreißend sang und hingebungsvoll agierte. Götz Phillip Körners lyrischer Tenor litt in der Titelrolle anfänglich unter Nervosität, steigerte sich aber später zu einem schlüssigen Rollenportrait. Anna Bernacka als seine (sehr jugendliche) Mutter Nitocris bot eine sängerische wesentlich ausgeglichenere Leistung. Ihre warm timbrierte Stimme verfügt neben großer Klangschönheit in allen Registern auch über ein gutes Volumen und lässt mit Ausnahme der Textverständlichkeit kaum Wünsche offen.

Dietmar Sander verlieh der ursprünglichen Alt-Partie des Fürsten Kyros mit seinem kernigen Bariton Gewicht und klangvolle Bedrohung. Jean-Sébastien Philippe Stengel stattete den Propheten Daniel mit seinem sehr ausgeglichenen und gut geführten Altus aus. Michael Humann verlieh dem Tempelsänger Gobrias mit äußerst kantabel geführten Bass und exemplarischer Phrasierung glaubhafte Bühnenpräsenz. Schade nur, dass Martin Ehlbeck ihm in seiner großen Rache-Arie das Tempo etwas verschleppte.

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